Diodor von Tarsus
Diodoros von Tarsos
Lehrer der antiochenischen Schule · Bischof von Tarsus
- Begründer der antiochenischen exegetischen Schule
- Lehrer von Johannes Chrysostomos
- Lehrer von Theodor von Mopsuestia
- Bischof von Tarsus ab 378
- Verteidiger der Nicaenischen Trinitätslehre
Diodor ist der vergessene Riese der antiochenischen Theologie. Geboren in Antiochia, in jungen Jahren Mönch im benachbarten Kloster, ab etwa 360 Presbyter in Antiochia, ab 378 Bischof von Tarsus in Kilikien — sein Wirken fällt in die theologisch turbulenteste Phase der Spätantike, zwischen den Konzilien von Nicaea (325) und Konstantinopel (381).
Sein größtes Erbe ist nicht ein einzelnes Werk, sondern eine ganze Schule. Diodor begründete die antiochenische exegetische Methode: die Bibel zuerst wörtlich, historisch und grammatisch zu verstehen — bevor man zu allegorischen Deutungen greift. Das war ein direkter Gegenentwurf zur alexandrinischen Schule um Origenes, die in jedem Vers vor allem symbolische Tiefen suchte.
Aus seinem Hörsaal in Antiochia gingen die beiden bedeutendsten Theologen ihrer Generation hervor: Johannes Chrysostomos und Theodor von Mopsuestia. Die antiochenische Schriftauslegung, die später bis in die Reformation und in die moderne historisch-kritische Exegese nachwirkt, hat hier ihren Ursprung.
Tragisch: Diodors eigene Werke sind fast vollständig verloren. Sie wurden Jahrhunderte später, im Streit um Nestorius und in den christologischen Konflikten des 5. Jahrhunderts, als „Vorform” der nestorianischen Häresie verdächtigt und systematisch vernichtet. Was überliefert ist, sind hauptsächlich Zitate in Werken seiner Gegner.
- ◆ Kommentare zu fast allen biblischen Büchern (überwiegend in Fragmenten)
- ◆ Schriften gegen die Manichäer und Astrologen
- Wikipedia: Diodor von Tarsus · abgerufen 2026-05-20
- Wikidata · Q314525